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Trauer um Wil van Hasselt

Wil van Hasselt in seinem Haus in Geleen

KZ-Gedenkstätte Laura verliert langjährigen Unterstützer und Freund

Saalfeld. Mit tiefer Betroffenheit haben Landrat Marko Wolfram, die Mitarbeiter der Kreisverwaltung und alle Mitglieder des Fördervereins die Nachricht vom Tod Wil van Hasselts erhalten.

Der 63-jährige Holländer war langjähriges Mitglied im Förderverein und untrennbar mit der Gedenkstätte Laura verbunden. Am vergangenen Freitag verstarb er nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie im holländischen Geleen. „Wir verlieren mit Wil van Hasselt einen wichtigen Förderer und Freund der Gedenkstätte, für dessen herausragendes Engagement wir sehr dankbar sind und dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie“, sagte Landrat Marko Wolfram.

Wil van Hasselt, Sohn des ehemaligen Laura-Häftlings Herman van Hasselt, führte seit dessen Tod im Jahr 2008 die begonnene Erinnerungsarbeit fort. Mit ganzer Kraft und herausragendem Engagement setzte er sich für die politische Aufklärung und den Erhalt des Ortes ein. Vor allem die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern begeisterte den studierten Physiklehrer, so dass er mehrfach im Jahr den weiten Weg aus Holland nach Schmiedebach auf sich nahm, um Projekttage mit zu gestalten oder an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen. Letztere Veranstaltungen waren ohne seine Worte kaum denkbar, so traf er stets mit dem richtigen Ton alle ins Herz. Unvergessen bleibt die Erinnerung an ihn als charismatischen Vordenker, klugen Kämpfer, Gesprächspartner und Freund. 

So sprach Will van Hasselt anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Errichtung des Außenlagers „Laura“ am 21. September 2013 in Laura:

„Mein Vater ist nicht in diesem Lager gestorben, im Gegenteil. Er hat noch lange gelebt, geliebt und gelitten. Er ist nicht an Krieg gestorben, sondern ,mit Krieg‘! Für Leute, die den Krieg hautnah erlebt haben, endet der Krieg nicht bei Frieden. Die traumatischen Erinnerungen, die u.a. auch mein Vater hier erlitten hat, haben sein weiteres Leben stark geprägt – wie auch das Leben von den anderen Überlebenden des Naziregimes. Und es scheint fast so, als ob wir Menschen nichts dazulernen wollen, denn die Anzahl der Leute, die ,mit Krieg‘ sterben werden, nimmt noch immer zu. Seit Ende des 2. Weltkrieges ist kein Tag vorbei gegangen, ohne das irgendwo auf der Welt Krieg oder ein bewaffnetes Zusammentreffen stattfand (…) Indem wir zu Orten oder Stellen wie diese kommen, zeigen wir, dass wir Kriegsgewalt und jegliche Unterdrückung von wehrlosen Bürgern ablehnen. Die Gedenkstätte Laura ist dabei kein Ort, der nur an eine dunkle Periode aus der deutschen Geschichte erinnert – dies ist ein Ort, wo man sich vielleicht schon allein durch die Lage und die Atmosphäre fast selbstverständlich mit Toleranz den Mitmenschen gegenüber auseinandersetzen muss.“

An der letzten großen Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung im April dieses Jahres konnte er schon nicht mehr teilnehmen, doch seine Tochter Kirsten van Hasselt verlas die Worte ihres Vaters:

„Ich sehe der Zukunft der Gedenkstätte Laura mit Zuversicht entgegen, ich bedanke mich dafür bei den Behörden und dem Förderverein und freue mich, dass ich einen kleinen Anteil dazu beigetragen habe, und hätte mich natürlich gerne noch sehr viel länger dafür eingesetzt. Leider kann man nicht alles bestimmen.

Es geht euch allen bitte sehr gut, es war schön euch gekannt zu haben und dass ihr einen Teil eures Lebenspfades zu dem meinen gemacht habt.“


Carolin Dudkowiak                                        Dorit Gropp
Presse- und Kulturamt                                 Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte Laura e.V.