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Gedenken am Scheideweg

Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Errichtung des Lagers „Laura“ begangen

Am 21. September fand in der KZ-Gedenkstätte „Laura“ in Schmiedebach bei Lehesten die Gedenkfeier anlässlich der Errichtung des Lagers vor 75 Jahren statt. Erneut reiste auch Kirsten van Hasselt, Enkelin des ehemaligen Gefangenen Herman van Hasselt, aus den Niederlanden an um bei der Gestaltung der Gedenkveranstaltung mitzuwirken. Der Titel, „Gedenken am Scheideweg“, war dabei handlungsleitend: Nach dem eigentlichen Gedenken wurden Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Gedenkens diskutiert. An der Veranstaltung beteiligten sich 36 Personen. Zu Beginn der Veranstaltung machte Landrat Marko Wolfram deutlich, dass das Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten heute wichtiger denn je ist. Denn der Umgang in der Gesellschaft wird rauer, das Gedenken an die Verbrechen wider die Menschlichkeit wird verharmlost und relativiert. Diesen Bestrebungen entgegenzutreten, ist „die Verpflichtung, die aus unserer Geschichte erwächst, das Versprechen, dass wir jenen, denen wir heute gedenken, schuldig sind“ so Wolfram. Der Begrüßung folgte ein Rundgang über das Gelände, bei dem durch die Förderveinsmitglieder van Hasselt, Gropp und Beate Breuer Zitate und Erinnerungen der ehemaligen Gefangenen verlesen wurden. Jens Bühring begleitete den Rundgang mit verschiedenen Liedern, die in Konzentrationslagern geschrieben und gesungen wurden. Abgeschlossen wurde der Rundgang durch das gemeinsame Niederlegen von Blumen am Gedenkstein.

Im Anschluss erläuterte Bühring in einem Vortrag den Nutzen von Musik in Konzentrationslagern. Es wurde deutlich, dass sie eine sehr ambivalente Funktion innerhalb der Lager hatte. Einerseits wurde Musik von der SS als Instrument der Erniedrigung und als Vorwand zur Folter genutzt, wie das Beispiel des „Judenliedes“ zeigt. Die jüdischen Gefangenen mussten es oft singen und beschimpften sich damit selbst – wer es falsch sang, wurde geschlagen und zum weitersingen gezwungen. Anderseits schöpften Häftlinge auch Kraft aus der Musik und organisierten heimlich Orchesterproben, schufen eigene Lieder, oder sangen, wenn es ihnen möglich war, Lieder aus der Heimat.

Als weiteren Programmpunkt wurden Ausschnitte aus dem Film „Geklaute Jugend gezeigt“, einem 2007 entstanden Filminterview mit Herman van Hasselt, in dem er nicht nur von seiner Haft in den deutschen KZs, unter anderem Laura, berichtet, sondern auch gezeigt wird, welche Auswirkungen die Haft noch Jahre später auf sein Leben, seine psychische und physische Gesundheit und seine Familie hatte.

Zum Abschluss wurde über die Zukunft des Erinnerns und Gedenkens in Laura gesprochen wurde. Unter anderem wurde auf die Beteiligung der Gedenkstätte im „Schwarzburgprojekt – Denkorte Demokratie“ verwiesen, welches - ausgehend vom 100jährigen Jubiläum der Unterzeichnung der Weimarer Verfassung in Schwarzburg - die Orte im Landkreis an, denen Demokratiebildung stattfindet, zu vernetzen, weiterzuentwickeln und attraktiver zu machen versucht. Dazu gehört auch die Entwicklung neuer Methoden und Angebote, um gerade jüngere Menschen für die Stätte und das Gedenken zu interessieren. Darin involviert ist auch der Kunstraum Kamsdorf, der sich künstlerisch mit den Geschehnissen in Laura auseinandersetzen möchte.