Häftlingsbereich

Der ehemalige Häftlingsbereich umfasste neben den Unterkunfts-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden u. a. auch den Appellplatz, die Krankenbaracke, die Latrine und die  Leichenhalle. Dieser historisch besonders sensible Bereich des Lagers wurde Ende des Jahres 2010 vom Landkreis Saalfeld-Rudolstadt erworben, um die Gedenkstätte langfristig zu erhalten.

Der Häftlingsbereich gliedert sich in die folgenden Einrichtungen:

Block 1 - Große Scheune

Der Fachwerkbau wurde im Jahr 1929 errichtet und diente ursprünglich als Feldscheune im Landwirtschaftsbetrieb der Firma Oertel. Während der Lagerzeit befand sich hier die Hauptunterkunft der Häftlinge, maximal 600 bis 800 waren im Block 1 untergebracht. Es war ein zweistöckiges Gebäude, in der Mitte befand sich der Speiseraum, rechts und links davon die ungeheizten Häftlingsunterkünfte. Im Erdgeschoss schliefen die Häftlinge in dreistöckigen Pritschen, im 1. Stock in Doppelstockpritschen. Im Erdgeschoss befanden sich außerdem ein Waschraum und ein Raum für den Blockfriseur. An den Giebelenden der Scheune lagen in beiden Geschossen die sogenannten Kaporäume, in denen die privilegierten Funktionshäftlinge unter verhältnismäßig komfortablen Bedingungen lebten (Einzelbetten, eigene Öfen, bessere Kleidung und Verpflegung etc.).

Die im Block 1 eingepferchten Häftlinge gehörten überwiegend zu den schlechten Kommandos des Außenlagers – sie arbeiteten im Schichtbetrieb untertage (Kommando „Grube“), beim Bau der Wasserleitung (Kommando „Dany“) oder bei den Betonarbeiten (Kommando „Wallbrecht“). Im Winter 1943/44 war der Block völlig überfüllt, die meisten Häftlinge hatten weder einen eigenen Pritschenplatz noch einen eigenen Strohsack. Diebstähle, Prügeleien und Misshandlungen durch die Funktionshäftlinge waren an der Tagesordnung.

Nach dem Krieg wurde das Gebäude wieder als Scheune genutzt. 1979 wurde im südlichen Drittel in einem dafür abgetrennten Bereich eine Ausstellung eingerichtet, die an das Außenlager Laura erinnert. Nach der Übernahme der Gedenkstätte durch den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wurde in den Jahren 2011 und 2012 die Trennmauer beseitigt und die Ausstellung auf das ganze Gebäude ausgeweitet. Aufgrund von Nachnutzung und Umbauten ist die ursprüngliche Gebäudesituation nicht mehr erhalten. Allerdings konnten teilweise Wandmalereien aus der Lagerzeit freigelegt werden.

Block 2 - Lagerselbstverwaltung

Dieser dreiteilige Gebäudekomplex entstand in den heutigen Abmessungen bereits vor 1867. Das Gebäude diente als Wohnhaus für Angestellte der Firma Oertel, im Erdgeschoss befanden sich Stallungen. Zu Lagerzeiten befanden sich im Block 2 die Häftlingsschreibstube sowie die Quartiere für kleinere Arbeitskommandos von Facharbeitern wie Tischlern, Zimmerleuten und Elektrikern. Die meisten dieser Fachkräfte mussten, anders als viele Bauhäftlinge in Block 1, keinen Schichtdienst verrichten. Aus diesem Grund waren die Lebensbedingungen in Block 2 etwas besser. In der Anfangszeit des Lagers waren auch das später in eine eigene Baracke verlegte Krankenrevier, der „Schonungsbereich“ für arbeitsunfähige Häftlinge und der Arrestbunker in dem Gebäude untergebracht.

Nach Kriegsende wurde der ehemalige Block 2 wieder als Wohnhaus genutzt. Im Jahr 2001 wurden die ehemaligen Stallungen, die während der Lagerzeit als Massenquartiere dienten, in Wohnungen umgebaut und das alte Schiefermauerwerk verputzt. 2011/ 2012 wurde das Erdgeschoss zum Besucherzentrum der Gedenkstätte umgebaut.

Block 3 - "Italienerlager"

Dieses Gebäude entstand vor 1879, bestand aus Schiefermauerwerk und diente ursprünglich als Spalthütte des Schieferbruchs. Während der Lagerzeit befand sich hier der Block 3, das sogenannte „Italienerlager“. Der Block diente als Quartier für die Italienischen Militärinternierten (IMI). Ihr Quartier wurde als lang gestreckter Raum beschrieben, an dessen Wänden mehrstöckige Betten aufgereiht waren, mit einem Ofen im Mittelgang. Im Anbau vor dem Gebäude befand sich ein Raum mit Waschbecken. Block 3 diente außerdem als Strafblock für jene Häftlinge, denen eine Übertretung der Lagergesetze vorgeworfen wurde. Sie mussten besonders harte Arbeiten verrichten. Im Sommer 1944 wurde der Block aufgelöst, aus dem umzäunten Häftlingsbereich ausgegliedert und als Lagerraum genutzt.

Das Gebäude verfiel nach 1945, wurde abgebrochen und größtenteils durch eine hölzerne Feldscheune überbaut. Die Holzscheune wurde 2011 abgerissen. Vom ursprünglichen Block 3 sind nur noch Teile der Nordwand  sowie Reste des nördlichen Vorbaus mit einigen Stufen im Eingangsbereich erhalten.

Block 4 - genauer Standort unbekannt

Block 4 war eine Holzbaracke, die im Herbst 1943 errichtet wurde, um der rasch wachsenden Zahl der eingesetzten Häftlinge zu entsprechen. Dieser Block wurde nur bis Juni 1944 genutzt und bei der Verkleinerung des Lagers im Sommer 1944 aufgegeben. Das Gebäude wurde nach 1945 abgebrochen, sein Standort lässt sich heute nur noch ungenau anhand von Aussagen von Überlebenden rekonstruieren.


Krankenrevier

Die Krankenbaracke entstand erst einige Monate nach Gründung des Lagers, anfangs war das Krankenrevier im Block 2 untergebracht. Die hohe Anzahl an Kranken und Verletzten machte eine Erweiterung notwendig. Bei dem Neubau handelte sich um eine Holzbaracke, die laut Augenzeugenberichten mehrere Zimmer hatte, die insgesamt zwischen 70 und 100 Kranken Platz boten. Außerdem gehörten ein Waschraum und ein Behandlungszimmer zu dem Gebäude. Die Berichte von Überlebenden schildern die medizinische Versorgung des Lagers als vollkommen unzureichend. Das Personal war vielfach schlecht ausgebildet, die Ausstattung mit Medikamenten, Verbandsmaterial und Instrumenten ungenügend. Mehrere der Häftlingsärzte behandelten die Kranken menschenverachtend, misshandelten oder ermordeten Arbeitsunfähige und unterschlugen Vorräte des Reviers. Das ehemalige Krankenrevier wurde nach dem Krieg abgerissen.

Leichenhalle

Die Leichenhalle des Lagers Laura ist nur aus Erinnerungsberichten belegt. Es handelte sich um einen provisorischen Holzbau, der im Dezember 1943 direkt neben der Krankenbaracke errichtet wurde. In diesem Gebäude wurden die Leichen der Häftlinge gelagert und in regelmäßigen Abständen zum Krematorium ins KZ Buchenwald abtransportiert. Die Leichenhalle wurde nach dem Krieg abgebrochen, heute ist nur noch ein kleiner Teil des Fundaments erhalten.

Häftlingslatrine

Die Lagerlatrine wurde 1943 bei Gründung des Lagers errichtet. Bei diesem Gebäude handelte es sich laut Aussagen von überlebenden Häftlingen um eine sehr primitive Holzkonstruktion, die angesichts ihrer Ausmaße und der Belegstärke des Lagers völlig unzureichend war. Ungeachtet der minderwertigen sanitären Einrichtung, diente sie den Häftlingen als eine Art Rückzugsort, da sie hier von den Wachmannschaften und Kapos weitestgehend ungestört waren. Das Leeren der Latrine war eine gefürchtete Strafarbeit. Die Häftlingslatrine wurde nach dem Krieg abgebrochen, heute ist nur noch das Fundament erhalten. Im Mai 2001 wurden in diesem Bereich Ausgrabungen durchgeführt und zahlreiche Relikte aus der Lagerzeit geborgen.

Häftlingsküche

Dieses Gebäude war ursprünglich eine kleine Scheune und befand sich an der Stelle, an der später die große Feldscheune, zu Lagerzeiten der Block 1, errichtet wurde. Beim Bau der großen Scheune wurde das kleinere Gebäude an seinen heutigen Standort umgesetzt und erhielt ein gemauertes Fundament. Zu Lagerzeiten diente das Gebäude als Häftlingsküche. Es wurde auf sechs Kochstellen gekocht, was angesichts der Zahl der Häftlinge (über 1200 im Dezember 1943) bedeutete, dass das Essen oft verspätet ausgegeben wurde. Die Einteilung zum Küchendienst bedeutete vergleichsweise leichte Arbeit und bot die Möglichkeit, sich zusätzliche Nahrung zu beschaffen. Die Ernährungssituation war in Laura ähnlich wie in anderen Lagern: die Rationen waren zu klein, von minderwertiger Qualität oder verdorben. Unterschlagungen durch die Wachmannschaften und Funktionshäftlinge waren an der Tagesordnung. Laut Berichten von Überlebenden umfasste die übliche Häftlingsration morgens einen halben Liter sogenannten Kaffee und mittags einen Liter wässrige Suppe mit einigen Steckrüben- oder Kartoffelstücken. Die Brotration (400-500 Gramm Brot von schlechter Qualität) wurde abends ausgegeben, zusammen mit ein wenig Margarine, Marmelade oder einem kleinen Stückchen minderwertiger Wurst.

Nach dem Krieg wurde die Küche zum Wohnhaus umgebaut, weshalb die ursprüngliche Bausituation nur noch teilweise erhalten ist. Das hier wohnende Ehepaar Ludwig übernahm ab etwa 1960 bis zum Jahr 2000 die Pflege des Gedenksteins und der 1979 errichteten Gedenkstätte. Seit 2012 dient die  ehemalige Häftlingsküche als Empfangsgebäude der Gedenkstätte. In dem Gebäude befindet sich außerdem ein Archiv, in dem Unterlagen zum Lager eingesehen werden können.

Kartoffelschälgrube

Von der ursprünglich überdachten Kartoffelschälgrube ist nur noch die betonierte Grube erhalten geblieben, in die vermutlich ein Häftling das Datum „15 IX 1944“ eingeritzt hat. Die Arbeit in der Kartoffelschälgrube war nicht sehr anstrengend und man musste nicht im Freien oder Untertage arbeiten. Außerdem ergab sich durch die Nähe zur Häftlingsküche die Möglichkeit, Zusatzverpflegung zu erhalten.

Appellplatz

Hier mussten die Häftling zweimal am Tag zu dem oft stundenlangen Zählappell antreten. Während des Appells drohten Misshandlungen durch die Wachmannschaften und besonders durch den Lagerführer Karl Schmidt. Die Leichen der Häftlinge, die tagsüber bei der Arbeit ums Leben gekommen waren, wurden neben ihren angetretenen Kameraden aufgereiht. Die genauen Abmessungen des Appellplatzes werden von ehemaligen Häftlingen unterschiedlich angegeben, da die Größe des genutzten Areals anscheinend infolge der schwankenden Belegungsstärken von Laura schwankte. Vielfach fanden die Appelle zwischen dem Block 1 und der Häftlingsküche statt. Der Platz war laut Augenzeugenberichten mit „Schotter“ (tatsächlich wohl mit Schiefersplitt) bestreut.

Marterbirken

Die SS-Mannschaft des Lagers Laura nutzte drei an dieser Stelle stehende Birken, um Häftlinge anzubinden, die sich irgendwelcher angeblicher oder tatsächlicher „Vergehen“ schuldig gemacht hatten. Die so Bestraften mussten zum Teil viele Stunden angebunden verbringen und wurden häufig dabei auch noch misshandelt. Eine der Birken wurde nach 1953 entfernt, die zwei verbleibenden mussten 2009 aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Häftlingsweg

Die meisten Häftlinge des Lagers arbeiteten ober- oder unterirdisch im Oertelsbruch. Sie mussten jeden Tag in den Bruch hinabsteigen und den Weg am Ende der Schicht wieder hinaufklettern. Als Marschweg diente ein aus Zeiten des Schieferabbaus stammender Haspelberg, auf dem zuvor Wagen mit Schiefer den Berg hinaufgezogen wurden. Überlebende beschreiben den Weg als steil und von Stacheldraht umzäunt, mit zahlreichen Stufen, die für die erschöpften Männer in ihren schlechten Schuhen eine große Belastung waren. Es kam vor, dass Gefangene auf diesem Weg entkräftet zusammenbrachen. Heute ist der ehemalige Häftlingsweg mit Gras überwachsen, kann aber noch erkannt werden.

Oertelsbruch - Häftlingsbereich

Im Oertelsbruch fanden die Triebwerkstests der A4/V2-Rakete statt. Hier mussten die Häftlinge Schwerstarbeit beim Raketen-Testbetrieb leisten. Die Anlagen für die Flüssigsauerstoff und –Stickstoffproduktion befanden sich untertage. Nach Kriegsende wurde der Schieferbruch zunächst durch die Aliierten nachgenutzt. Bis heute wird hier Schiefer für unterschiedliche Nutzungen abgebaut.